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Kerstin und Matthias Moser über die harmonische Übergabe des Familienunternehmens und die langfristigen Ziele

Vor drei Jahren hat die Software-Familie die Weichen für eine kontinuierliche harmonische Übergabe gestellt. Gemeinsam mit der nächsten Generation teilen die Firmengründer die Liebe und Verbundenheit zu ihrem Unternehmen und den Produkten. g+h sprach mit Kerstin und Matthias Moser über den intensiven Austausch in diesem Prozess und die langfristigen Ziele. 

Vor zwei Jahren haben wir schon einmal über Ihren wirklich außergewöhnlichen Familienbetrieb gesprochen. Hätten Sie die Wahl, würden Sie das Konzept wiederholen?

K. Moser: Ich würde den Weg, mit all den verschiedenen Schritten auf jeden Fall wieder so gehen. Erst eine Banklehre, dann der Einstieg hier - zunächst als rechte Hand meiner Mutter in der Administration - bis ich schließlich das Marketing für mich entdeckt habe. Zudem habe ich im letzten Jahr ein berufsbegleitendes Studium mit den Schwerpunkten Marketing und Wirtschaftsinformatik erfolgreich abgeschlossen. Bei meinen Brüdern sieht es ähnlich aus. Max kann im Vertrieb seine Talente optimal ausspielen und Christian hat - auch berufsbegleitend - Informatik studiert.Die drei Geschäftsbereiche, für die wir verantwortlich sein werden oder zum Teil schon sind, stellen das Familienunternehmen optimal für die Zukunft auf. Diese Kontinuität und Stabilität sind auf lange Sicht unsere Stärke. 
M. Moser: Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Wir haben natürlich auch das Glück, dass das in unserer Familie funktioniert. 

Das ist aber auch nicht selbstverständlich.

M. Moser: Nein, das ist nicht selbstverständlich. Ich behaupte jetzt einmal, das haben wir uns erarbeitet, pädagogisch, sozial und familienmäßig. Glück hat auf Dauer nur der Tüchtige. Und diese Entwicklung gibt allen Sicherheit. Unsere Kunden möchten ihre EDV langfristig nutzen und können sich darauf verlassen, dass es hier weitergeht. Gleiches gilt für unsere Mitarbeiter. Sie können jetzt langfristig davon ausgehen, dass sich nichts ändert.

Die Nachfolgeregelung ist ein wichtiger Aspekt in Familienunternehmen. Welche Perspektiven hat Moser in der nächsten Generation?

K. Moser: Die Perspektive ist weiterhin unsere Software für den Mittelstand bis 500 Mitarbeiter. Hier konnten wir in der Vergangenheit sehr viele Neukunden gewinnen. Für diese Klientel sind wir der ideale Partner, weil wir genauso denken wie sie und deren langfristiger Partner sein können. Das ist unser Ziel.

Wie sieht Ihre strategische Personalpolitik aus?

M. Moser: Seit 1987 sind wir Ausbildungsbetrieb, das reicht heute nicht mehr. Darum unterstützen wir seit zweieinhalb Jahren das duale und das berufsbegleitende Studium. Wir haben ja die schöne Situation, dass man in Mönchengladbach berufsbegleitend BWL studieren kann. Im Service haben wir junge Leute, die mit einer Ausbildung als IT-Systemkaufmann/ -frau angefangen haben und dann von uns übernommen wurden, weil sie richtig gut waren und auch das Herz für Kunden haben. Die können dann zum Beispiel parallel ihren Bachelor of Arts machen und in unser Consulting-Geschäft einsteigen. Gleiches gilt für Softwareentwickler und einem dualen Studium. Wir haben mit der RWTH in Aachen die beste technische Hochschule vor der Haustür. Also strategische Ausbildungs-, Nachwuchsförderungs- und Personalpolitik ist uns sehr wichtig. Wir achten auch drauf, dass unser Personalstamm mit einer gleichmäßigen Altersstruktur ausgestattet ist.

Bitte erzählen Sie mir etwas über Ihre Produkte. Stehen in nächster Zeit Neuerungen beziehungsweise Erweiterungen an?

K. Moser: Wir bauen auf unsere beiden bestehenden Produkte auf. Mosaik, eine sehr anspruchs- volle betriebswirtschaftliche Software für mittelständische Unternehmen. Die Mittelstandssoftware hat die nötigen Bausteine, um alle operativen Unternehmensprozesse abzubilden. Kleine Handwerksbetriebe oder Existenzgründer sind mit unserem Rechnungsprogramm diabolo sehr gut bedient. Die Grundausstattung lässt sich kostenfrei im Internet herunterladen. Damit kann man schon Angebote schreiben, Rechnungen stellen und Stammdaten verwalten. 

Frau Moser, was schätzen Sie besonders an Ihren Eltern als Geschäftsführer?

K. Moser: Besonders wichtig sind die Offenheit und das gegenseitige Vertrauen. Wir können über alles reden, auch wenn wir mal unterschiedlicher Meinung sind. Hinzu kommen der Zusammenhalt und diese Stabilität, die meine Eltern ausstrahlen. Das gilt letztendlich für die ganze Familie. Wir verstehen uns ausgesprochen gut und ergänzen uns optimal. Ein Unternehmen ist ja wie ein Organismus, eins greift ins andere. Das ist die Basis für das Unternehmen Moser und letztendlich auch für unsere Zukunft.

Und Herr Moser, was schätzen Sie besonders an Ihren Kindern?

M. Moser: Im Grunde natürlich das Gleiche, weil es ja auch nur wechselseitig funktioniert. Zudem pflegen wir eine sehr hohe Streitkultur. Schönes Wetter funktioniert ja immer. Wir legen Wert darauf, mit einer qualifizierten Auseinandersetzung auch schlechtes Wetter gut zu überstehen, dass unterschiedliche Meinungen und auch stark emotional gefärbte Meinungsverschiedenheiten auf eine vernünftige Art und Weise ausgetragen werden.

Sie hatten ja schon einen Generationswechsel angesprochen. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

K. Moser: Einmal durch den intensiven Austausch von Informationen und den Erfahrungswerten unserer Eltern. Zum anderen bereiten meine Geschwister und ich uns intensiv auf die anstehenden Aufgaben vor und erarbeiten uns eigene Ideen und Pläne für die Zukunft, die dann in großem Kreis besprochen werden. So sind alle vorbereitet, wenn wir irgendwann in der Verantwortung stehen und das Unternehmen weiterführen.

M. Moser: Punktuell beauftragen wir auch externe professionelle Hilfe und kochen nicht alles selbst. Man geht ja auch mal in ein Restaurant zum Essen. Darum nehmen wir gut beleumundete Berater für Workshops oder auch Einzelgespräche in Anspruch.

Frau Moser, wird es für Sie und Ihre Geschwister schwer, in die Fußstapfen so erfolgreicher Eltern zu treten?

K. Moser: Nein. Das sehe ich eher positiv. Unsere Eltern sind ja unsere Vorbilder und wir sind sehr stolz darauf, was sie in den letzten 34 Jahren aus dem Unternehmen gemacht haben. Es motiviert uns das weiterzuführen und vielleicht noch ein bisschen drauf zusetzen. Wir drei sind sehr ehrgeizig und haben uns ambitionierte Ziele gesetzt. 

Anwendungen für mobile Endgeräte sind ja in aller Munde. Welche Möglichkeiten sehen Sie da im Softwarebereich, oder was gibt es schon?

M. Moser: Es gibt ja drei Betriebssysteme für mobile Anwendungen, das macht das Leben nicht einfacher. Sicherlich wird es da in Zukunft eine größere funktionale Zusammenführung geben. Welche Applikationen dann sinnvoll sind, hängt auch ein bisschen von den mobilen Endgeräten ab. Ich kann mir schwer vorstellen, dass eine komplexe Kalkulation auf einem I-Phone oder Android-Smartphone stattfindet. Da kommt sicher eher ein Tablet in Frage. Dagegen ist eine Unternehmerübersicht klein, mittel oder groß darstellbar. Wir haben zwar eine ganze Reihe spezieller Applikationen, gehen aber davon aus, dass wir - gerade was mobile Datenverarbeitung angeht - erst am Anfang einer Entwicklung stehen. Sicherlich ist insofern ein Durchbruch geschaffen, als es eine Akzeptanz und auch Kundenwünsche dafür gibt. Trotzdem sind wir meines Erachtens in der Aufbruchsphase und noch nicht in einer konsolidierten Nutzungsphase. Man muss auch differenzieren zwischen dem Nutzungsverhalten kleinerer und größerer Betriebe. Größere Betriebe wollen die mobile Nutzung in ihre IT-Infrastruktur integrieren, also zentral administrieren, Rechte vergeben, Userprofile haben und auch Nutzenprofile. Kleine möchten am liebsten „Google-Office-mäßig“ irgendwie alles machen. Das sind schon Herausforderungen. Kritisch anzumerken ist auch die vom Privaten herüber schwappende Erwartungshaltung, dass alles App-mäßig nur 1,99 Euro kostet, und das wird es nicht geben.

K. Moser: Einige Anwendungsbereiche bieten wir wie gesagt schon an. Zum Beispiel speziell für das technische Handwerk eine mobile Serviceauftragsabwicklung, auch für das Tablet. Außerdem das mobile Aufmaß, eine mobile Zeiterfassung und ein kleines Mobil-CRM. Es ist auch vorstellbar, die Projektverwaltung über ein Tablet zu realisieren.

Wie sieht die Akzeptanz im Handwerk aus?

K. Moser: Es gibt immer aufgeschlossene Handwerksbetriebe, die immer direkt mit dabei sind, aber die große Masse ist da noch zurückhaltend. Sie sieht zwar die möglichen Vorteile, aber erstens müssen die ganzen Endgeräte angeschafft werden, und zweitens muss natürlich das mobile Kommunikationsnetz überall in voller Bandbreite verfügbar sein. Zudem muss man sich die Zeit nehmen, um sich damit zu beschäftigen.

M. Moser: Es wird im Moment mehr geredet als gekauft. Was nicht so schlimm ist, auf diese Weise können sowohl die Kunden als auch wir einen etwas organischeren Pfad beschreiten. Gerade in unserer Branche wird schon mal gerne ein Wolkenkuckucksheim gebaut, aber ein Unternehmen muss das ja auch einführen, muss die Mitarbeiter mitnehmen, die Monteure müssen sich umgewöhnen, und in der Führung müssen sie sich auch umgewöhnen.

Spielt in Ihren Köpfen eine Zukunftsmusik, die sich heute noch niemand vorstellen kann?

M. Moser: Ja, die gibt es, aber darüber können wir heute natürlich noch nicht reden. Das ist auch Sache der nächsten Generation, aber es wird von uns in den nächsten Jahren, was die Technologie und das Gefühl mit Applikationen umzugehen angeht, auch ganz andere Dinge geben.